Geschichte
115 Jahre Nyffenegger Armaturen
Während mehr als 100 Jahren haben zahlreiche Mitglieder der Unternehmerfamilie Nyffenegger ihre ganze Energie in die Armaturenfabrik gesteckt. Lesen Sie selber, welche Höhen und Tiefen sie dabei erlebt und wie sie sich durch diverse Krisen gekämpft und sich an grossen Erfolgen gefreut haben.
Gründerzeit (1910-1918)
Die Geschichte der Nyffenegger Armaturen AG beginnt mit Hans Nyffenegger-Lüthy, der 1910 das Unternehmen in Oerlikon bei Zürich gründete. Geboren 1880 in Riesbach, Zürich, lernte Hans die Welt der Metalle in der Eisenwarenhandlung seiner Mutter kennen. Nach einer kaufmännischen Lehre und verschiedenen beruflichen Stationen, etwa als Reisender bei der Metallgiesserei Lyss und als Teilhaber der Armaturenfabrik Nussbaum in Olten, gründete er seine eigene Firma, die «Armaturenfabrik H. Nyffenegger Oerlikon». Seine Frau Martha unterstützte ihn dabei tatkräftig. Sie half im Büro mit und kümmerte sich um den Haushalt und die Kinder Hans, Robert und Margrit. Bereits 1913 vergrösserte er sein Geschäft an der Birchstrasse, indem er eine Giesserei im Keller des Fabrikgebäudes einrichtete.
Schon 1914 wurde die Firma auf der Landesausstellung in Bern mit einer Silbermedaille für ihre Produkte ausgezeichnet. Trotz der Unsicherheiten während des Ersten Weltkrieges lief das Geschäft gut. Nyffenegger baute 1917 ein separates Giessereigebäude und stellte zahlreiche Arbeiter ein.


Aufschwung und Zweiter Weltkrieg (1919-1945)
Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte die Firma einen Aufschwung. Hans Nyffenegger war Mitbegründer des Verbands Schweizerischer Armaturenfabriken (URS), wo er sich für einheitliche Preise und Normen einsetzte. In den 1920er Jahren traten auch Nyffeneggers Söhne Hans Nyffenegger-Güller und Robert Nyffenegger-Wullschleger ins Unternehmen ein, das jetzt «Nyffenegger & Co. Metallgiesserei und Armaturenfabrik Oerlikon» hiess. Hans junior war im Verkauf tätig, während Robert als Giessereitechniker arbeitete. 1929, nach dem Tod des Firmengründers, übernahmen die beiden Söhne. Sie führten das Unternehmen erfolgreich durch die schwierigen Zeiten der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkriegs. Es gelang ihnen, die Produktion trotz Rohstoffknappheit aufrechtzuerhalten und innovative Lösungen zu entwickeln, wie etwa die Herstellung von Hahnen aus Zinklegierungen.


Nachkriegszeit und Hochkonjunktur (1946-1973)
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte das Unternehmen eine Periode des Wachstums und der Modernisierung. Die Firma profitierte vom Bauboom der Nachkriegsjahre und erweiterte ihre Produktionskapazitäten. 1958 trat Hans Nyffenegger-Laube, der Sohn von Hans junior, ins Unternehmen ein und übernahm die Leitung der Administration. In den 1960er Jahren folgten ihm sein Bruder Ernst Nyffenegger-Wild (Verkauf) und Roberts Sohn Robert Nyffenegger-Schäfer (Betriebstechniker). Diese dritte Generation führte die Firma durch die wirtschaftlichen Herausforderungen der 1970er Jahre, einschliesslich der Erdölkrise, die zu einem Rückgang der Bauaktivitäten und Umsätze führte.
Krisenbewältigung und Innovation (1974-1999)
Die 1980er Jahre waren von wirtschaftlichen Unsicherheiten und einem harten Konkurrenzkampf geprägt. Die Firma schloss die eigene Giesserei im Jahr 1989 und fokussierte sich verstärkt auf die Entwicklung innovativer Produkte und den Handel mit verchromten Armaturen. Firmenchef Hans Nyffenegger-Laube sah die Zukunft in rentablen Nischen, der Nähe zum Kunden und erstklassigen Serviceleistungen. 1988 trat mit Hans Nyffenegger-Hüppi ein Vertreter der vierten Generation ins Unternehmen ein. Er modernisierte die Administration mittels EDV und war verantwortlich für die Entwicklung eines neuen Betriebsgebäudes, das 1996 an der Hagenholzstrasse bezogen werden konnte.

Expansion und Neubau (2000-2020)
Hans Nyffenegger-Hüppi, mittlerweile Geschäftsführer, trieb die Automatisierung der Produktion voran und erweiterte das Aussendienstteam, insbesondere in der Romandie. Eine besondere Rolle spielte die Einführung des innovativen Produkts sudoFIT im Jahr 2002. Dieses revolutionäre Installationssystem ermöglichte es, Rohre nicht durch Pressen, sondern durch Stecken zu verbinden und wieder zu lösen, was den Installationsprozess erheblich vereinfachte und die Nachfrage nach den Produkten der Nyffenegger & Co. AG stark erhöhte. 2006 übernahm die Firma die Sparte Gebäudearmaturen von der Genfer Similor SA, was zu einer signifikanten Erweiterung des Produktsortiments führte. Das Unternehmen wuchs kontinuierlich und konnte neue Märkte erschliessen. Es hiess ab 2009 «Nyffenegger Armaturen AG».
Im Jahr 2012 wurde die Geschäftsleitung um Thomas Escher (Verkaufsleiter) ergänzt. 2016 trat mit Stephanie Nyffenegger, der Tochter von Hans Nyffenegger-Hüppi, die fünfte Generation in die Firma ein. Sie war das dritte Geschäftsleitungsmitglied, verantwortlich für Buchhaltung, Personal, Innendienst, Einkauf und Marketing. 2018 schliesslich stiess Stefan Rhyner als neuer Betriebsleiter zur Firma. Zudem entstand unter der Führung von Hans Nyffenegger-Hüppi im Wolkenwerk an der Leutschenbachstrasse eine neue, moderne Fabrik, die der Firma optimale Voraussetzungen für ihre Weiterentwicklung bot. Ende 2020 konnte sie bezogen werden.




Erste Frau und neue Fabrik (2021-heute)
2021 übernahm Stephanie Nyffenegger, die Ururenkelin des Firmengründers, die Geschäftsführung der Nyffenegger Armaturen AG. Als erste weibliche Chefin in der Geschichte des Unternehmens führte sie die Firma erfolgreich durch die Herausforderungen der COVID-19-Pandemie. 2022 konnte die Firma mit pandemiebedingter einjähriger Verspätung ihr 111-Jahr-Jubiläum am neuen Standort feiern.
Unter ihrer Führung bleiben die Innovationskraft bei Eigenfabrikaten sowie die Kundennähe zentrale Erfolgsfaktoren. Die Erneuerung der Firmensoftware, die Entwicklung eines neuen Webshops, der Umgang mit dem Fachkräftemangel und die Stärkung der lokalen Produktion im Sinne der Förderung des Industriestandorts Schweiz sind weitere Schwerpunkte unter ihrer Leitung. Dabei will sie die Tradition und die Werte des Familienbetriebs fortführen.
Chronik
Historische Spurensuche
Die Autorin Manuela Nyffenegger, Historikerin, hat unzählige Quellen studiert, Dokumente, Briefe und Fotos in unserem und anderen Archiven durchforstet. So konnte der Werdegang des Unternehmens und gleichzeitig die Geschichte der fünf Generationen der Familie Nyffenegger nachgezeichnet werden.








